1,2,3,4 Flakstellungen um Hausach, 5 Absturzstelle des amerikanischen Piloten Pine

Die Jabo- Angriffe aus der Sicht eines Flakhelfers

"Unser Stellungswechsel nach Hausach vollzog sich am 23. Dezember 1944. Weihnachten fiel für uns aus. Wir waren mit dem Stellungsbau und der Einrichtung der Quartiere voll beschäftigt. Für die meisten das erste Mal, nicht im trauten Kreis der Familie däs Fest Christi Geburt feiern zu können. Es berührte einem schon komisch; vielleicht auch wehmütig, in den Häusern durch die Fenster die Kerzen an den Weihnachtsbäumen brennen zu sehen, solange nicht verdunkelt war, während man selbst in fremder Umgebung auf der Straße stand. Von der weihnachtlichen inneren Einkehr keine Spur.
Jeden Tag besuchten uns am Morgen Max und Moritz, zwei Jabos = Jagdbomber. Einer flog tiefer, um uns zu locken, der andere im Abstand dahinter, aber höher und beobachtete was sich tat. War alles still und ruhig und bewegte sich nichts, trollten sie sich wieder von dannen. Sahen sie aber ein Auto oder etwa eine dampfende Lokomotive, ja sogar nur einen Fußgänger, dann hatte die Ruhe ein Ende und sie wurden sehr aggressiv. Mit Bordkanonen, MG'S und Bomben griffen sie an. Das war dann der Moment, wo es bei uns hieß: "Feuer frei" und aus allen Rohren setzten wir uns zur Wehr, auch mit durchschlagendem Erfolg. Für jeden Abschuß machten wir voller Stolz einen weißen Ring um das Geschützrohr. Im Laufe der Zeit wurden es 9 Ringe.
Es gab auch andere Situationen, bei denen wir ganz klein und geduckt waren, nämlich dann, wenn Bomber über uns hinweg flogen. Besonders einmal, als Bomberverbände mit geöffneten Bombenschächten über Hausach flogen, drehten und immer wieder zurückkamen, und uns aber zum Glück unbehelligt ließen. So ganz wohl war es da sicher keinem; nicht auszudenken, wenn sie wirklich abgeladen hätten in dem bei uns nur ca. 1,5 km schmalen Tal!
Die fast täglichen Angriffe wurden zur Routine. Auch für vorbeifliegende einzelne Bomber, die sich von ihrem Verband lösen mußten, weil sie angeschossen waren oder Motorenschaden hatten und jetzt versuchten, sich über die nicht mehr weit entfernte Schweizer Grenze hinüber zu retten, war in Hausach durch uns Endstation. Damit ein Abschuß anerkannt wurde, mußte das Typenschild der abgeschossenen Maschine eingeschickt werden. In dem bergigen Gelände des Schwarzwaldes und dann aus dem Trümmerhaufen war das nicht immer ein einfaches Unterfangen.
Es sei hier noch eine Episode erfreulicher Art am Rande erzählt:
Wachtmeister Mannherz war unterwegs zur Küche, hinter ihm eine Kuh, die ihm nachlief. An der Küche angekommen, drängte Mannherz, von Beruf Metzger, die Kuh in die Metzgerei, von diesem Tag an wurden alle wieder satt, dank guter Fleischportionen.
Um den Jabos etwas den Überraschungseffekt zu nehmen, sie kamen über irgend einen Berg und plötzlich waren sie da, wurde auf dem Burgturm ein Beobachtungsposten eingerichtet, der vorwarnen konnte. So hatte auch unser LKW auf seinen z. T. abenteuerlichen Fahrten bei Luftangriffen immer einen Luftwaffenhe]fer auf der offenen Pritsche sitzen, damit er laufend den Himmel nach Jabos absuchen und, mit einer Trillerpfeife bewaffnet, warnen konnte.
Im Laufe der drei Monate, die wir in Hausach im Einsatz waren, sind sehr viele Klassenkameraden zu anderen Einheiten einberufen worden und unsere Klasse wurde immer kleiner. Flak-V-Männer (Flakverwendungsfähig) kamen dafür als Ersatz und wurden bei uns ausgebildet.
Hausach, als wichtiger Verkehrsknotenpunkt vor dem Aufstieg der Dampfrösser über den Schwarzwald, zog immer wieder die feindlichen Fliegerstaffeln an. Zum Schutze des Bahnhofs wurden rund um die Gleisanlagen, besonders beim Baggerloch, Fliegerabwehrkanonen postiert, die meist von blutjungen Flakhelfern bedient wurden. Sie heizten mitunter den Angreifern bei ihren todbringenden "Besuchen" ordentlich ein und holten so manchen Feindflieger vom Himmel herunter. Die feindlichen Himmelhunde ließen sich nicht abschütteln. Zu jeder Tageszeit kreuzten sie auf Nur schlechtes Wetter verschaffte den Kinzigtälern eine Verschnaufpause. Dann setzte die Nervensäge wieder ein. Einmal stürzten die Jabos bei der Unterführung auf eine Dampflok und durchsiebten dabei das Dach des Hasenfratz'schen Hauses. Dann, so berichten noch Zeitzeugen, zischte ein Geschwader über einen Zug und den Hausacher Bahnhof ohne anzugreifen. Doch als die dem Zug beigefügte Flugabwehr das Feuer eröffnete, kehrten die Jabos zurück und rächten sich bitter.
In Hausach wußte man auch, daß bei Triberg der gefürchtete Reichsführer der SS, Heinrich Himmier, in einem Zug seinen Stab aufgeschlagen hatte. Eine dauernd unter Dampf gesetzte Lokomotive sorgte dafür, daß bei jedem Herannahen feindlicher Flugzeuge der Zug in den schützenden Tunnel ge-fahren werden konnte. Nachdem Hornberg anfangs Februar 1945 einen furchtbaren Luftangriff zur Zerstörung des Viaduktes hinnehmen mußte, fragten sich die Hausacher angsterfüllt, ob sie nun an die Reihe kämen.. Es sollte nicht lange dauern.
Das Kalenderblatt zeigt den 28. Februar 1945 an, als einige Jabos plötzlich und unverhofft über das Haseneckle, durch den Breitenbach in Sekunden-schnelle auf die Schienenbrücke der Unterführung zu rasten. Die Bomben trafen aber nicht ihr Ziel, sondern dicht daneben mit zwei Volltreffern das Wohnhaus des Hafnermeisters Meinrad Hasenfratz. Eine Bombe fiel auf das daneben stehende Kellersche Haus. Nur einen Augenblick dauerte der Spuk, dann lag nach einer ohrenbetäubenden Detonation das Hasenfratz`sche Haus buchstäblich auf der Hauptstraße."

R. Sch., Freiburg

Quelle/Bild: "Gruppe wider das Vergessen", Hausach