Pfarrer Josef König aus Hausach leistete dem NS -Regime von 1933 bis 1945 Widerstand

Pfr. König ein mutiger Diener christlicher Ethik

 Geboren und getauft wurde Josef König am 28. Juni 1904 in Hausach. Sowohl sein Vater Josef, der von Beruf Schlossermeister war, als auch seine Mutter Monika, geborene Schmider, entstammten alteingesessenen Familien des Schwarzwaldes.

Ab 1910 besuchte König die Volksschule in Hausach. Ab 1916 konnte er in die Untertertia des Friedrich-Gymnasiums in Freiburg eintreten. Am 30. März 1922 bestand er im Alter von 17 Jahren die Abiturprüfung.
König empfing nach dem Studium der Theologie am 19.März 1927 die Priesterweihe, die er unter großer Anteilnahme des Heimatortes auch in Hausach feierte.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten stand ein Wendepunkt im Wirken Königs  für sein weiteres Leben an. Bald nach der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 wurde die Lage für König gefährlich. Insbesondere durch sein Engagement in der Jugendarbeit geriet er immer wieder in einen offenen Konflikt zu den lokalen Parteiführern und Mitgliedern der NSDAP.

Pfarrer Fischer fasste in einem Schreiben an das Erzbischöfliche Ordinariat vom 15. Januar 1934 die Lage in der Gemeinde so zusammen:
„Nun warf sich der Herr Vikar mit ungestümer Lebhaftigkeit auf die Schuljugend, entwickelte in den einzelnen Gruppen der Jungschar einen derartigen Betrieb, daß der Ortsgruppenleiter [...] und einige Lehrer mit Fanatismus gegen ihn und die Schulkinder der Jungschar vorgehen: ein gegenseitiger, kleinlicher, persönlicher Kampf wogt hin und her. Ich fürchte sehr, daß in ganz kurzer Zeit etwas gegen König unternommen wird, wenn er nicht versetzt wird. Jetzt könnte man ihn noch in Ehren abziehen lassen. Es würde mir leid tun, wenn er bei den heutigen Verhältnissen unter die Räder und etwa in Schutzhaft käme."

Diakon König (2) 1926 im Festgeleit für den Primizianten Josef Schmid, li. neben Stadtpfarrer Brunner, vom Romanshof im Hauserbach. König selbst durfte seine Primiz 1927 ebenso festlich im Heimatort Hausach feiern. (1) Pfarrer Hermann Armbruster, (3) Kunigunde Schmid vom Spänlehof im Hauserbach.

In der Folge organisierte König nach seiner Versetzung die Errichtung der Schwesternstation.  Am 20. Mai 1939 war die Geburtsstunde der Schwesternstation, als zunächst zwei, später drei Krankenschwestern aus Gegenbach ihre Arbeit in Nöggenschwiel aufnahmen. König war es gelungen, sich gegen den Widerstand des NS-Regimes, welches „die Einrichtung einer Schwesternstation als nicht wünschenswert" bezeichnet hatte, mit seinen Planungen durchzusetzen.

Auch die Gründung eines Kindergartens hat König gegen den Widerstand des Regimes realisiert. Der zuständige Landesminister für Wohlfahrt und Jugend hatte auf Königs Antrag, einen katholischen Kindergarten zu gründen, mitgeteilt, dass „die Errichtung von Kindertagesstätten ausschließlich der NS-Volkswohlfahrt vorbehalten ist. Dem Ersuchen kann daher nicht entsprochen werden." Trotz dieses Bescheides realisierte König seinen Plan gegen den Einspruch des Regimes, so dass im Sommer 1941, nachdem zuvor Schwesternstation und auch eine Nähschule realisiert worden waren, nun auch ein Kindergarten in Nöggenschwiel existierte.

König geriet zusehends stärker unter Beobachtung. Ein Zeitzeuge bewertet die sich hieraus ergebenden Konsequenzen für König zutreffend:
„Er hat mit seinem sozialen Engagement angeeckt.  Uns allen hat er geholfen. Auch bei meinen Verletzungen konnte ich froh sein, dass Krankenschwestern im Ort waren."

In Nöggenschwiel und Bierbronnen wurden zur damaligen Zeit französische Soldaten gefangen gehalten. König fühlte sich für diese als Gemeindepfarrer ebenso zuständig wie für alle weiteren Mitglieder seiner Gemeinde. Die Gefangenen waren nur nachts interniert und arbeiteten tagsüber in den landwirtschaftlichen Betrieben der örtlichen Bauern. Daher konnten sie sich relativ frei bewegen, so dass König zu ihnen recht schnell Kontakt aufbauen und halten konnte.  König lud die französischen Kriegsgefangenen  schriftlich in französischer Sprache zu zwei Gottesdiensten vor dem Weihnachtsfest 1940 und nach dem Osterfest 1941 ein. Zur Ostermesse im April 1941 organisiert er ein gemeinsames Frühstück für die Kriegsgefangenen im Pfarrhaus. Mit einer Verfügung vom 12. Mai 1941 wurde dem Geistlichen die Ausrichtung von Gottesdiensten  untersagt.

„Mit welchem Argwohn wird  die Feier der Gottesdienste in den Augen der Nazis betrachtet worden sein."

Auch Königs Predigten waren häufig politischen Inhalts und befassten sich mit dem Verlauf des Krieges und dem Nationalsozialismus. Hierüber gibt ein „Verzeichnis der in der Pfarrei Nöggenschwiel behandelten Predigtthemata" Aufschluss. Das Verzeichnis wurde von König selbst angelegt und hat seinen ersten Eintrag am Ostersonntag, dem 17. April 1938. Am 3. September 1939 schrieb König in das Verzeichnis „Kriegsbeginn - Gottvertrauen - Mut aus Gottes Wort." Wenig später findet sich am 17. September 1939 der Eintrag „Zum Kriegsbeginn - die Flüchtlinge", und am 24. September 1939 predigte König über „die erste Prüfung - Krieg tötet Kinder."

Ein gewisser Herr Dr. Wilhelm Karsch kam häufig zu den Gottesdiensten, um die Predigten Königs zu hören. Sofern sie politischen Inhalts waren, meldete er dieses schriftlich oder mündlich bei der Gestapo. König stand daher schon längere Zeit unter Beobachtung. Er hatte die Verbrechen, die das NS-Regime im Namen des deutschen Volkes begangen hatte, erkannt und unternahm jeden Versuch, seine Gemeindemitglieder vor weiterem unnötigem Blutvergießen zu bewahren.

Am 2. November 1944 äußerte sich König einer Offiziersfrau Frau Herdey gegenüber zum Kriegsverlauf und zu Verbrechen des NS-Regimes. Während des Gesprächs äußerte König offen seine ablehnende Haltung gegenüber dem NS-Regime:

„Er hat damals zu ihr gesagt, dass die Nationalsozialisten nicht viele gute Dinge tun würden, sondern sehr viele grausame Dinge machen würden. Besonders die Judenverfolgung und Judenermordung sei eine Sache, die einem Völkermord gleichkomme. So waren seine Worte damals."

Frau Herdey war erschrocken über die Äußerungen Königs und erstattete Herrn Dr. Wilhelm Karsch  Bericht hiervon. Karsch machte umgehend eine Meldung bei der Gestapo in Waldshut und erstattete Anzeige gegen König. Er wurde vorgeladen, verhört und am 23. November 1944 verhaftet.

Der ehemalige Waldshuter Kriminalkommissar, der 1944 die Anzeige gegen König aufgenommen hatte, erklärte später, dass es „sich um zehn oder elf Äußerungen [Königs], die nach dem damaligen Heimtückegesetz als sehr schwerwiegend zu bezeichnen waren", handelte. König wurde von der Gestapo mehrmals verhört und befragt. Er blieb trotz des Bewusstseins, welche Konsequenzen sich für ihn ergeben könnten, bei seinen getätigten Aussagen.

H. Qual: Landgerichtsgefängnis Waldshut
Im Nationalsozialismus waren die „von der Polizei verwalteten Gefängnisse [...] Stätten der Ungerechtigkeit und des Verbrechens."

Auch König musste diese Erfahrung durchleben. Er wurde zwar verhört, jedoch fand aufgrund des fortgeschrittenen Krieges nie ein Gerichtsprozess statt. Der Prozess gegen König wegen Wehrkraftzersetzung war zwar vor dem Sondergericht Freiburg geplant. Der damalige Staatsanwalt Prüfer, der später „als Mitläufer der Nazi-Zeit eingestuft wurde", wirkte sogar auf seine Freilassung hin.

König musste sich eine Gefängniszelle mit zwei Mitbrüdern, Pfarrer Erwin Dietrich, der einem „holländischen Offizier zur Flucht in die Schweiz verhalf", und Pfarrer Max Graf, der wegen seiner Predigten verhaftet worden war, teilen. Dietrich, der einzige Überlebende der drei Inhaftierten, schilderte nach dem Krieg:

„Wir bekamen eine Zelle, die dreieinhalb Meter Umfang hatte. Als dann Pfarrer Graf nach Dachau kam, bekamen König und ich eine Zelle, die um einen Meter schmäler war. Diese Zelle hatte nur ein Bett [...]. Der andere legte seine Matratze auf den Boden. [...] Das war das Zimmer, das alsWohn-, Ess- und Schlafrimmer und zugleich als Kapelle und Klosett diente.

„Pfarrer König war mir schon seit etwa zehn Jahren bekannt. (... Ich lernte ihn aber erst im Gefängnis näher kennen. Bei Beginn der Haft fiel mir auf, dass Pfarrer König, der schon einige Wochen vor mir in das Gefängnis kam, gegenüber seinem früheren Aussehen blass war. Er hatte gesundheitlich gegenüber seinem früheren Aussehen stark abgenommen."

In diesem körperlich geschwächten Zustand wurde König gemeinsam mit Dietrich am Morgen des 23. April 1945 aus der Gefängnishaft entlassen. Die französischen Truppen waren kurz davor, in Waldshut einzumarschieren, so dass die örtlichen Nationalsozialisten alle politischen Gefangenen entließen.

König brach schließlich am 4. Mai 1945 zusammen und wurde mit einem „akuten Schub einer Schizophrenie im Krankenhaus Waldshut aufgenommen."

....Hieran lässt sich seine geistige Verwirrung aufgrund erlittener Folter durch die Nationalsozialisten ablesen. König verstarb am 13. Mai 1945 im Waldshuter Krankenhaus. Der behandelnde Arzt beschrieb Königs schlechten Zustand:
„Der Patient war ... weder örtlich noch zeitlich, noch räumlich orientiert. ... Am 13.5.45 verstarb er unter den Anzeichen einer Kreislaufschwäche, nachdem zuvor höheres Fieber aufgetreten war.«

Die Frage, ob Königs Tod ursächlich durch die Haftfolgen  eingetreten ist, wurde in einem psychiatrischen Gutachten des Direktors der Psychiatrischen Nervenklinik der Universität Freiburg, Herrn Professor Doktor Behringer, erörtert. In seinem abschließenden Bericht kommt Behringer diesbezüglich zu dem Schluss:
„Ein ursächlicher Zusammenhang der Psychose mit der körperseelischen Belastung durch die vorausgegangene Verhaftung und die fünfmonatige Haft ist nach den heutigen wissenschaftlichen Auffassungen zu einer begründeten Wahrscheinlichkeit zu erheben."

Dietrich:  Er litt und starb, weil er „die Wahrheit über Nazi-Verbrechen gesagt hatte. Weil er so gegen die schamlose Verletzung des natürlichen und christlichen Sittengesetzes durch die Nationalsozialisten protestiert hatte, ja zuletzt, weil er seinen Dienst als katholischer Priester treu, unbeeinflusst vom braunen Zeitgeist, erfüllt hatte."

Auszüge aus einer wissenschaftlichen Arbeit  von Björn Rüsing, Bonn

Digit Bearbeitung Bernd Schmid / Bild: Bernd Schmid, Maria Benz