Vom KZ ins Wehrmachtsgefängnis und zur "Bewährung" an die Nord-Ost-Front

Stolperstein wider das Vergessen

Oskar Lehmann wurde am 24. Mai 1914 als Sohn des Friseurmeisters Franz Lehmann und seiner Frau Frieda Lehmann, geb. Basler in Hausach geboren und wuchs mit seinen beiden Schwestern hier auf. Von 1921 – 1929 besuchte er die Volksschule. Als gelernter Friseur arbeitete er im väterlichen Betrieb.

Mitte der 30er Jahre stand die Familie Lehmann unter Beobachtung der Ortspolizei und des Gendarmeriepostens Wolfach. Unter dem Verdacht der Zugehörigkeit zu den Bibelforschern, die ab den 24. Juni 1933 verboten waren, wurde ihr Haus durchsucht. Im Jahr 1937 fand ein Prozess vor einem Sondergericht in Mannheim statt, bei dem Franz und Frieda Lehmann Zeugen und Angeklagte zugleich waren. Trotz Freispruchs wurde die Familie laut Protokoll weiterhin von der Gendarmerie sowie der Gestapo überwacht und das Friseurgeschäft von der Hausacher NSDAP-Ortsgruppe boykottiert, ja die Bevölkerung durch Plakatierung zum Boykott aufgefordert. Die Musterung von Oskar Lehmann erfolgte 1935.

Am 11. Dez. 1939 wurde er zur 14. Landwehr-Division in Freiburg einberufen und zum Westfeldzug abkommandiert. Während eines Heimaturlaubs desertierte er, wurde verraten und am 18.12.1940 von einem Kriegsgericht als „wehrunwürdig“ aus der Armee entlassen und war somit als Zivilist den Repressionen des Regimes ausgesetzt.

Erst im Jahr 1943 taucht der Name Oskar Lehmann wieder in den Unterlagen der Berliner Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung von Wehrmachtshinterbliebenen auf.

Am 17. Febr. 1943 wird er beim Bewährungsbataillon 500 in Skierniewice als Zugang aus dem Wehrmachtsgefängnis Torgau Fort Zinna, dem größten und modernsten Gefängnis der Wehrmacht registriert. Woher kamen diese sogenannten „Zugänge“? In dieser Einheit dienten v. a. Soldaten, die nach ihrer Verurteilung zu einer Zuchthausstrafe durch ein Wehrmachtsgericht ein Emsland-KZ und anschließend ein Wehrmachtsgefängnis zur „Überprüfung“ überstanden hatten.

Die Verlegung des 561. Infanterie-Bataillon an die Nordfront erfolgte am 22. Febr. 1943,

wo die verlustreiche 3. Abwehrschlacht südlich des Ladogasees gegen die vorrückende Sowjetarmee tobte.

„Wenn Gott weiter seinen Schutz über mich walten läßt, werde ich vielleicht noch einmal gesund zurückkehren“. So ein Zitat aus seinem letzten Brief vom 29. April 1943.

Am 19. August 1943 um 18.05 verstirbt Oskar Lehmann an seiner Verwundung, einer schweren Kopfverletzung, mit ihm nahezu seine ganze Einheit. Er ist auf der mit etwa 80 000 deutschen Soldaten weltweit größten deutschen Kriegsgräberstätte in St. Petersburg-Sologubowka beigesetzt.

 

 

Hausacher Gruppe "Wider das Vergessen"

Digital. Bernd Schmid