Im Gedenken an Eugen Decker

Eugen Decker wurde am 19. Februar 1897 in Hausach geboren. Seine Eltern waren der Metzgermeister Karl Decker und seine Frau Katharina. Eugen Decker war geistig behindert, war aber in der Lage, den Eltern in deren Metzgerei tatkräftig mizuhelfen. Nach dem Tod der Eltern übernahm der Schreinermeister Alois Schmieder die Vormundschaft. Über Eugen Deckers Leben in Hausach konnten wir kaum Belege ermitteln. Kürzlich erhielten wir aber die Auskunft eines Zeitzeugen, der sich erinnerte, dass Eugen Decker alljährlich die Fastnacht ausgiebig und mit großer Freude gefeiert hat.


Am 3. Juni 1937 wurde er als geistig Behinderter in die Pflegeanstalt Fußbach eingeliefert. Die Stadt Hausach kam für die Pflegekosten auf: 1,60 Reichsmark pro Tag. Von Fußbach aus wurde er am 15. August 1940 zusammen mit 30 anderen Männern in einem der berüchtigten grauen Busse nach Grafeneck transportiert. Die Busse trugen eine graue Tarnfarbe, und die Fenster waren durch einen Farbanstrich undurchsichtig gemacht.


In Grafeneck wurde Eugen Decker am 29. 8. 1940 ermordet und sein Leichnam verbrannt. Die Todesnachricht an die Stiefmutter nannte "Beckeninfektion und Blutvergiftung" als Todesursache. Seine Urne wurde im September 1940 nach Hausach überführt und auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt.


Das Kürzel "T4-Aktion" steht für sämtliche Aktivitäten zur "Vernichtung unwerten Lebens" im gesamten nationalsozialistischen Machtbereich. T4 stand für die Tiergartenstraße Nummer 4 in Berlin, wo sich die zentrale Planungsstelle der Aktion befand. Grafeneck war die erste von sechs Tötungsanstalten, die für die T4-Aktion eingerichtet wurden. Das Leitungsteam in Berlin hatte sich für die Tötung durch Kohlenmonoxid entschieden. Zwischen Januar und Dezember 1940 wurden im Rahmen der T4-Aktion 70 000 Menschen ermordet. Allein in Grafeneck wurden in diesem Zeitraum 10 600 Menschen durch Gas getötet und verbrannt.

Gruppe "Wider das Vergessen"

Digit. Bernd Schmid