Schutzhaft für opponierende Hausacher Bürger

Die Gestapo unterbindet den Widerstand

 

 

Am 18. Januar 1934 veröffentlicht die NSDAP, Ortsgruppe Hausach, im Offenburger Tageblatt, Anzeiger vom Kinzigtal, vertreten durch den Verlagseigner Josef Huber aus Haslach, eine Begründung für die Verhaftung der Hausacher Bürger Landolin Schmider und Bernhard Maier und dessen Sohn Franz Maier. („Mostmaier“, im Zeitungstext immer falsch mit "ei" statt "ai"  geschrieben)

Die Autoren des Zeitungsartikels (die Ortsgruppe der NSDAP) geben an, dringend „etwas“ zu der „politische(n) Lage, in der sich Hausach seit Übernahme der Macht durch den Nationalsozialismus befindet, ... sagen“ zu müssen. Es wird zunächst darauf hingewiesen, dass der Führer alle „ehrlichen Deutschen“ für den Wiederaufbau des Vaterlandes begeistert habe. Es sei daher auch die Pflicht eines jeden Volksgenossen, die „Begeisterung und den Willen zum Sieg aufrecht zu erhalten.“ Mit heftigem NS - Vokabular werden dann die Hausacher  Landolin Schmider und Benjamin Maier Senior öffentlich an den NS – Propaganda - Pranger gestellt.

OT-Abschnitt
Landolin Schmider ("De Londel")

Zynisch wird Landolin Schmider im  3. Abschnitt (re) empfohlen, hinter „schwedischen Gardinen“ über sein „verbrecherisches“ Opponieren nachzudenken. Drohend werden damit auch die Hausacher angesprochen, die „den Landolin heimlich unterstützten und anfeuerten“.

 

Landel hatte es gewagt, sich öffentlich gegen das NS-Milchgesetz zu stellen. Er sprach sich gegen die strikte Regulierung der Lebensmittelmärkte und gegen die Abschottung vom Weltmarkt, aus, was wiederum aus nationalsozialistischer Sicht schon im Blick auf die Verknappung durch eine mögliche Kriegsführung Sinn machte. Insofern war Landel in seiner Zeit, wenn auch gegen den Trend des NS-Meinungsmonopols,  ein früher Verfechter moder- ner marktwirtschaftlicher Gedanken.

 

Nach dem NS- Erbhofgesetz sollten nur Bauern zum "Blutquell des deutschen Volkes" gehören, deren arische Rasse nachgewiesen, deren politische Zuverlässigkeit gesichert ist  und einen Betrieb zwischen mindestens 7 und höchstens 125 ha besitzen. Das Erbhofgesetz war somit Grundlage für die Enteignung und Flurbereinigung  in der Landwirtschaft. Auch dagegen versuchte sich Landel öffentlich zu wehren.  

Nicht besser erging es Benjamin Maier Senior und dessen Sohn Franz. Ihnen wird ein Verstoß gegen das NS-Versammlungsrecht vorgeworfen. Vor allem nahm ihnen die NSDAP übel, dass sie gegen die Einsetzung eines Wolfacher NS-Bürgermeisters waren und es wagten, einen Hausacher Gegenkandidaten aufzustellen. Auch hier wird wieder zynisch argumentiert. Wenn man gegen den aus Wolfach stammenden NS – Bürgermeister ist, „kann man dabei den Hausachern sein gutes Hausacher Herz präsentieren.“ Oder: „Die geheime Staatspolizei hat sich nun auch dieser Beiden angenommen. Und es ist recht so.“

 

Die Autoren der NSDAP Ortgruppe Hausach belegten Maier Senior im vorliegenden Zeitungsartikel mit den Bezeichnungen „Nazifresser, Saboteur, Kapitalist,  schwarzer Bruder, Spießbürger“.

So wurde recht früh, schon Ende 1933. ein propagandistischer Keil gesetzt. Es wurde unterschieden zwischen Hausacher Volksgenossen, die „Verständnis haben für vollbrachte Leistungen und treu zu der Fahne des Nationalsozialismus und seinem Führer stehen"  und denen, die, wie Benjamin Maier und Landolin Schmider, „hintenherum den Widerstand“ organisierten.

 

Text:  Bernd Schmid

Quelle: Aus dem "Offenburger Tageblatt, 10.Jahrg. 1934, Anzeiger vom Kinzigtal, Haslach, 18.01.1934, Nr. 14