Albert Neumayer schenkte dem Schulzentrum die Plastik des Robert Gerwig, die vom Künstler Friedrich Haser geschaffen wurde.

Robert Gerwig, der badische Eisenbahn-Pionier

Der Name Robert Gerwigs ist unzertrennlich mit dem Bau der Schwarzwaldbahn und damit auch mit dem Eisenbahnverkehrsknoten Hausach verbunden. Mit der Benennung einer Straße und der Namenspatenschaft für das örtliche Gymnasium ehrte die Stadt anerkennend die geniale Leistung des  Eisenbahn-Pioniers der badischen Staatsbahn. Mit der Plastik Friedrich Hasers,  die abstrahierend die Genialität Gerwigs (Bild) darstellt,  kann auch im Schulzentrum auf seine Bedeutung bezüglich der Trassenführung und der beiden Kehrtunnels hingewiesen werden.

Doch man würde der unermüdlichen Schaffenskraft dieses außerordentlich begabten  Baumeisters nicht gerecht werden, wollte man nur diesen einen Glanzpunkt seines weitreichenden Lebenswerkes erwähnen, um dadurch gleichsam nur eine Anekdote aus seinem bunten, vielgestaltigen Lebensband zu zitieren. Im Erbauer der Schwarzwaldbahn begegnen wir einem Techniker wie auch Praktiker, dem noch das Prädikat »Universal« zuerkannt werden darf, einem Menschen, der sich nicht nur als Spezialist bewährt hat, sondern stets - und meist mit Erfolg- darum bemüht war, die Aufgaben, die ihm das Leben gestellt hatte, meisterhaft zu lösen.

Der Eisenbahnbau wurde ihm nicht mit in die Wiege gelegt, denn als er am 2. Mai 1820 in der Goldschmiedestadt Pforzheim als Sohn des damaligen Ministerialrevisors Christian Gerwig geboren wurde, hatte man von einer Eisenbahn  keine Ahnung, wenn auch einige Jahre zuvor (1814) die von Stephensons erbaute Hochdruck-Lokomotive schon einen Kohlenzug gezogen hatte. Erst Jahre später (1830) wurde in England die Bahnlinie Manchester - Liverpool eröffnet und damit der Siegeszug der Dampflokomotive und des Eisenbahnwesens ganz allgemein ausgelöst. 1835 legten die Deutschen dem ungestümen Dampfross einen Schienenstrang von Nürnberg nach Fürth. 

In dem Jahr, indem die badische Eisenbahnlinie von Mannheim nach Heidelberg in Betrieb genommen wird (1840), gibt Gerwig bei der Abschlussprüfung auf dem von Oberst Tulla gegründeten Karlsruher Polytechnikum mit der Note "vorzüglich befähigt" Zeugnis von seiner technischen Begabung und seinem durchdringenden Geist.

Der Eintritt in den staatlichen Dienst führt Gerwig zunächst mit dem Wasser- und Straßenbau zusammen, wo er in Bruchsal, Freiburg und Rastatt als Praktikant die ersten Erfahrungen sammelt. Nach der Versetzung an die Oberdirektion für Wasser- und Straßenbau in Karlsruhe kommt er näher mit dem aufkeimenden Eisenbahnbau in Berührung, für den diese Dienststelle ebenfalls verantwortlich zeichnet. Doch der »Ingenieur« beweist noch für einige Jahre im Straßenbau seine technischen Fähigkeiten.

Nach seinen Plänen und unter seiner Leitung entstehen folgende Straßen, die Gerwig mit den besonderen, oft erschwerenden Verhältnissen des Gebirges vertraut machen und ihm das notwendige praktische Rüstzeug für den späteren Gebirgsbahnbau geben sollten: St. Blasien - Albbruck, Gütenbach - Furtwangen, Vöhrenbach - Villingen, Neustadt - Hammereisenbach, Titisee - Schluchsee und die Murgtalstraße. Dies sind Verkehrswege, die ob ihrer kühnen Führung noch heute den Erbauer loben und im Zeitalter der Touristik dem Fremden die Schönheit der jeweiligen Landschaft vermitteln.

Dabei werden die Vorrichtungen, die Passstraßen vor den winterlichen Schneeverwehungen schützen, als vorbildlich bezeichnet. Auf seinem weitgesteckten Arbeitsfeld finden sich aber auch Flusskorrektionen, die Fassung der Heilquellen in Baden-Baden und Badenweiler sowie die Wasserversorgung der Städte Karlsruhe und Radolfzell.

Mit der Leitung des letzten Bauabschnitts der Linie Basel-Konstanz zeichnet sich ab, dass der geniale Denker sich für die Zukunft eine um 100 km kürzere und wirtschaftlichere Anbindung des Bodensees durch eine Schwarzwald - Querspange an die Hauptbahn vorstellt. Eines seiner letzten Projekte war die Planung der Höllentalbahn.

Gerwig stirbt 65-jährig nach einem vielseitigen Leben als hochbegabter Techniker, als politisch engagierter Mitbürger und vielseitig geschätzter Fachmann in den verschiedensten Wissens- und Forschungsgebieten am Nikolaustag 1885 in Karlsruhe.

 

Text: Bernd Schmid/Kurt Klein , Bild: Repro Kurt Klein / Plastik, Bernd Schmid