Der Not des Alltäglichen durch Musik und Festtagsstimmung begegnen.

Stand die große Trommel Pate bei der Gründung ?

Jedenfalls wird Lehrer Joseph Knupfer als Gründer und erster Dirigent der Hausacher Stadtmusik angenommen. Er leitete von 1797 bis 1834 die Volksschule und war der erste Lehrer, dem die Lehrerwohnung im neuen Rat- und Schulhaus überlassen wurde. Daher wird er vielleicht auch auf der „Turmkapselliste“ des neu erstellten Rathauses als wichtige Hausacher Persönlichkeit angeführt. In seiner Funktion als Dorflehrer versah er den anstrengenden Dienst des Organisten in der Dorfkirche und war Leiter des Kirchenchores. Lehrer Knupfer war zu Beginn des 18. Jh. die wohl einzig kompetente musikalische Instanz der damals 1175 Einwohner zählenden Stadt Hausach.

Beim angenommenen Gründungsjahr 1818 orientierte man sich zu Beginn des 20. Jh. aber möglicherweise auch am „Innenleben“ der damaligen großen Trommel, die 1927 noch einmal ein neues Fell erhalten sollte. Sie barg ein kleines Dokument mit folgendem Satz: „Diese Trommel ist verfertigt worden durch Sebastian Zederle, Sieb- und Trommelmachermeister in Freyburg am 28. März 1818." - Was läge näher als nachträglich  diesen Hinweis zu mutzen und das Gründungsjahr so zu erklären ?

Stadtmusik mit Dirigent Gustav Ecker nach 1910

Es darf nun aber berechtigt angenommen werden, dass auch schon vor dieser Zeit, vor allem anlässlich hoher kirchlicher Festtage und Prozessionen gesungen und musiziert wurde. Ein alter Beleg von 1774 mag Hinweis auf das Musizieren schon vor 1818 geben. Es wird nachgewiesen, dass in Hausach zum Musizieren immer schon auch das Feiern bei Speise und Trank  gehörte: „An Musikanten geben und verzöhrt 4 fl. Jakob Würth“.

Um 1800, als Mozarts „Entführung aus dem Serail“ (KV 384)  aufgeführt war,  bildeten sich auch in ländlichen Bereichen Kapellen nach orientalisch -  türkischem Vorbild. Die „Janitscharenkapellen“ mit Blas- und Schlaginstrumenten, deren Besetzung nach und nach erweitert wurden, fanden Nachahmung anlässlich ihrer schmetternden Erfolge bei Siegerehrungen und Festlichkeiten der Turner. Möglicherweise stand so die „Türkische Musik“ mit Klarinetten, Fagott und Trompeten, Posaunen, Schellenbaum und Becken und natürlich auch der großen Trommel selbst Pate bei der Geburt der Hausacher Stadtmusik. In einem Inventarverzeichnis von 1799 wird über  „musikalische Instrumente zu einer „Türkischen Musik“ berichtet, „ wozu die Stadt 50 Gulden vorgeschossen“ habe oder vorschießen sollte.          

Lehrer Knupfer gelang es jedenfalls am 22. Februar 1824 aus der damals sehr  strapazierten Stadtkasse für sämtliche Musikanten und Chorsänger 15 Gulden zu erhalten. Dies ist um so höher einzuschätzen, als dem Städtle gerade die bisher wichtigste städtische Einnahmequelle, das „Ohmgeld“ (Ausschanksteuer) weggefallen war. Auf Grund der badischen Zahlungen an Napoleon musste auch noch die städtische Quartalssteuer abgeliefert werden.

Der ehemals großzügige Bürgermeister Wernhöre, der sich mehr der Fürstenberger Verwaltung verpflichtet fühlte, war bei hoher städtischer Verschuldung  durch den sparsamen Stadtrechner und Bergamtskassier Joachim Sattler ersetzt worden.  Die Ausgaben für das neue Rat- und Schulhaus belasteten ebenso heftig die städtische Kasse. Trotz dieser finanziellen Nöte wussten die Verantwortlichen der Stadt um die kulturell - pädagogische Bedeutung des Musizierens und damit um die Notwendigkeit der Gründung einer eigenen Stadtkapelle.     

Mit der badischen Schärpe steht 1894 als neuer Dirigent Gustav Ecker unter der Vereinsfahne.

Etwas später wird eine neue Vereinsfahne mit den badischen Farben gelb und rot gezeigt. Sie steht für das neue Selbstbewusstsein der Stadtmusikanten und das stolze Gefühl der Zusammengehörigkeit. Auf einer Seite trug sie das Stadtwappen im Lorbeerkranz (Siegerehrung bei Turnfesten) sowie der Inschrift „Stadtmusik Hausach 1847“. Auf der Rückseite war ein Notenblatt mit gekreuzten Klarinetten aufgebracht. Die alte erste Vereinsfahne und der Schellenbaum waren um die Jahrhundertwende spurlos verschwun- den. Wichtiger und nachhaltiger als die ehrenwerte Symbole vergangener Jahrzehnte ist die stolze Tradition in der viele junge Hausacher den Weg zur Musik fanden und das kulturelle Leben der Stadt über 2 Jahrhunderte zur Freude aller mit gestalteten.      

Die Hausacher Bürger hatten, bei aller Unsicherheit bezüglich des wahren Gründungsjahres, mit der Stadtkapelle eine Bürger- „Vereinigung“, die es sich zur kulturellen Aufgabe gemacht hatte, jedem kirchlichen Fest und politischen Ereignis einen würdigen Rahmen zu schaffen. Nicht selten wurde so die Not des Alltäglichen durch Musik und Festtagsstimmung vertrieben. 

Text / Digit. Gestaltung: Bernd Schmid

Quellen/Bilder: Stadtarchiv, "Stadtmusik Hausach i.K. - 1818-1928"