Ignaz Speckle, ein Hausacher,

der letzte Abt des Klosters St. Peter

 

In den grauen Novembertagen des Jahres 1795 wurde Ignaz Speckle aus dem Kreis der Kapitularen zum 56. Abt des traditionsreichen Zähringer-Klosters St. Peter auf den Höhen des Schwarzwaldes gewählt. Er übernahm dieses Amt in einer Zeit großer politischer, geistiger und religiöser Umwälzungen. Die Gedanken der Französischen Revolution blieben nicht nur auf das Mutterland beschränkt, sondern verbreiteten sich auch in den Landen rechts und links des Rheins, über ganz Europa.

Der Vater des neuen Abtes, der Pfannenschmied Michael Speckle und seine Mutter Theresia wanderten von Wangen im Allgäu nach Hausach ein und wohnten zunächst im "Laborantenhaus" und dann im "Herrenhaus". Am 3. Mai 1754 wurde den Eltern als erstes Kind der Joseph Anton in die Wiege gelegt. Dieser trat 1773 in die Klosterhochschule von St. Peter ein, wo er 1777 die Priesterweihe erhielt. Schon ein Jahr später wurde er in den Kreis der Kapitularen aufgenommen und dann mit erst 25 Jahren zum Professor an der theologischen Hausschule ernannt.

"Einige Jahre als Rebellen und Mißvergnügten gehalten, vielleicht verleumdet, dann (1783) vom Kloster entfernt (nach St. Ulrich) und streng gehalten. Endlich, da sich die Verleumdungen im Jahre 1786 am stärksten zeigten und man mich gefährlicher Grundsätze beschuldigte und man mich von St. Ulrich nach Sölden als Pfarrer versetzte, wo ich mit Trost im Weinberge des Herrn arbeitete." So zeigte Speckle selbst einen Teil seines Lebensweges auf, der ihn dann für die Jahre von 1789 bis 1795 als "Pater Pfleger" nach Bissingen unter Teck zur Verwaltung des dortigen klostereigenen landwirtschaftlichen Anwesens führte.

Mit der Abtwahl begann Speckle mit seinen überaus wertvollen Tagebuch - Aufzeichnungen, die er rund 25 Jahre führte und damit eine unersetzliche Geschichtsquelle schuf. Schwerpunkte setzte er in seinem Wirken zunächst in der Förderung und Hebung der Ordensschule und damit des Ordensnachwuchses wie auch im Ausbau des Volksschulwesens. Doch die Franzosenkriege setzten seinen Bemühungen sehr enge Schranken. Als Mitglied der breisgauischen Landstände suchte der Prälat die Not der Bevölkerung in den Kriegswirren zu lindern. Politisch wurde er zur "Seele des vorderösterreichischen Consesses".
Vergeblich versuchte er, sein Kloster als Grablege der Herzöge von Zähringen vor der Säkularisation zu retten.

Seiner Heimatgemeinde Hausach vermachte er einige liturgische Gewänder und Geräte. Ebenso verfügte er, seine Hinterlassenschaft für mildtätige Zwecke zu verwenden.

1817 erreichten ihn die Bitten, das Amt des Generalvikars des vorarlbergischen Bistums Feldkirch zu übernehmen oder dem Benediktinerkloster Fiecht bei Bregenz vorzustehen. Da er immer noch auf die Wiederherstellung des Klosters St. Peter hoffte, lehnte er ab. Auch als möglicher erster Erzbischof des neuen Bistums Freiburg wurde seine Person genannt.


Allen Spekulationen gebot der Tod am 15. April 1824 in Freiburg ein Ende. Zwei Tage darauf wurde sein Leichnam in aller Stille frühmorgens um vier Uhr in der Abtsgruft von St. Peter beigesetzt.

1870 konnte sein Tagebuch auszugsweise, dann aber 1966 in zwei Bänden mit über 1000 Seiten vollständig veröffentlicht werden. Daraus entnehmen wir seine Ansicht über den damaligen Zeitgeist: "Für Zucker - Stärk und Runkelrüben, Cichorie für Caffee. Für Fleisch die Knochen, die sonst übrigblieben, das Erdbeerblatt für Tee. Witz für Verstand, Papier für Geld, ist jetzt der Modeton der Welt. Geht's länger noch so fort auf Erden, wird bald der Aff'das Ebenbild für Menschen werden.

Die Stadt Hausach hat ihren größten Bürgersohn mit einem Straßennamen und der Aufstellung eines Denkmals beim Herrenhaus geehrt (1990)

 

Text u. Bild: Kurt Klein

Red.Bearb. Bernd schmid