Barocker Glanz gegen sinnloses Morden absolutistischer Herrschaftssysteme

Auch im polnischen Thronfolgekrieg lag das Kinzigtal und Hausach mit seiner eher nachteiligen Schanzanlage im Spannungsfeld kriegerischer Auseinandersetzungen.

Vom Westen her drängte Frankreich, vom Osten suchten die Österreicher vorübergehend Rast vor den anstehenden Kämpfen. Die Bevölkerung leistete ihren Dienst bei sinnloser Schanzarbeit in Kehl für die Franzosen, in Hausach für die Österreicher. Sie litt unter Mangel an Nahrungsmitteln, während in den Gasthäusern die Herren Offiziere tafelten und das "Kuchelgeld" verzehrten. Die ohnehin ausgeblutete Landschaft bezahlte einmal mehr für das sinnlose Morden absolutistischer Herrschaftssysteme.

Um wieviel mehr erflehten sich die einfachen "Husacher" die Unterstützung aller denkbaren Heiligen und Nothelfer. Der "Vorfriede zu Wien" bewirkte ab 1735  deutlich weniger Truppenbewegung durchs Kinzigtal. Diese Verschnaufpause nutzten die Hausacher zur Innenausstattung ihrer schlichten gotischen Kirche mit 2 barocken Seitenaltären, nachdem die Kanzel schon 1713 angebracht worden war. Der barocke Hochaltar mit dem dominierenden Herz-Jesu-Bild wurde etwas später, 1782, erstellt. Das Anliegen, eine möglichst große Anzahl heiliger Fürsprecher im eigenen Gotteshaus anbeten zu können, erfüllte sich die damalige uneingeschränkt gläubige Bevölkerung mit den beiden neuen Seitenaltären, die in der Villinger Werkstätte Schupp gefertigt wurden. Der damalige sehr aktive Ortspfarrer Joseph Rothweiler galt als besonderer Verehrer des Hl. Kreuzes. Er ist Stifter der Glocke der Kreuzbergkapelle, er sorgte auch für die Wiederbelebung der "Kreuz" - Wallfahrten.

Der Heimatkundler Kurt Klein beschrieb die beiden Altäre und das Brauchtum zu Ostern und Pfingsten in dem Sonderdruck "Das Kirchspiel Hausach":

"Auf der linken Seite präsentiert sich der "Rosenkranzaltar" mit der Gottesmutter und den Heiligen Dominikus und Katharina von Siena, umrankt von den Darstellungen der 15 Rosenkranzgeheimnisse. Dazu grüßen die Heiligen Rochus, Benedikt, Antonius von Padua (ganz oben), Nepomuk und Josef (v. li. n. re.). Eine Darstellung des Fegefeuers rundet die Darstellungen ab.

Der rechte Seitenaltar ist der Mutter Anna als Schutzpatronin der Schwarzwälder Silberbergleute geweiht, um damit auch das Gotteshaus zusammen mit dem hl. Christophorus an der Außenwand als alte "Bergmannskirche" herauszustellen. Als eine "Anna-Selbdritt" ist die Mutter Mariens dargestellt. Auch hier schmücken einige volkstümliche Heilige den Altar: Nikolaus, Sebastian, Katharina von Alexandrien (ganz oben), Wendelin und Georg (v. li. n. re.). Über dem Altartisch wollen einige Szenen aus dem Kreuzweg Christi zum Nachdenken anregen.

Die Vertiefung neben der Kanzel gibt zu vielerlei Vermutungen Anlass. Es könnte sein, dass diese Mauernische einmal ein Heiliges Grab - vielleicht auf einem Brett aufgemalt beherbergte. In das kleine Fensterchen stellte man früher bei Seelenämtern eine brennende Kerze auf, um so die Verbindung zwischen den Gläubigen in der Kirche und den Toten auf dem Friedhof herzustellen. Ich selbst habe noch im Gebälk - etwa in der Mitte der Decke des Langhauses die Vorrichtung für eine Öffnung gesehen. Durch diese wurde in früheren Zeiten an Christi Himmelfahrt die Statue des Auferstandenen aus dem Kirchenraum nach oben gezogen. An Pfingsten ließ man dann eine Taube (Hl. Geist) aus Holz, gefolgt von glühenden Stoffteilchen (Feuerzungen), daraus herniedergeleiten "

Text: Bernd Schmid / Kurt Klein

Fotos: Heinz Kraft