Von der romanischen Kirche zur  Verbindung von Himmel und Erde in der Gotik

Der Übergang des abendländischen Kirchenbaus von der romanischen Wehrkirche zur Akzentuierung gotischer Stilelemente vollzog sich in der  Hausacher Dorfkirche spät zu Beginn des 16. Jh. Anlass war sicher auch die Tatsache, dass die Kirche zu klein geworden war. Zur damaligen Zeit sollen allein in der Silbergrube "unserer lb.Frau" um die 300 Bergleute gearbeitet haben.

In der Jubiläumsschrift "Das Kirchspiel Hausach" beschreibt Kurt Klein die Gotisierung der Dorfkirche:

"Zunächst wurde der romanische Chorturm weggerissen und aus seinem Material ein neuer himmelwärts strebender Glockenturm rechts daneben errichtet. Als Glanzstück des Gotteshauses erhob sich der spätgotische Chor mit seinem kunstvollen Netzgewölbe, den großen Spitzbogenfenstern mit ihrem flamboyanten Maßwerk und einem Sakramentshäuschen. Als Gegenstück zum Turm wurde links die Sakristei angefügt unter der gleich einem Keller die Beinkammer, das Beinhaus lag, in dem die Gebeine der Toten nach einer bestimmten Liegezeit auf dem Friedhof Aufnahme fanden. Im Langhaus mauerte man die kleinen Fenster zu und ersetzte sie in Anlehnung an die Chorfenster durch größere. Auch dürfte in jener Bauzeit die hintere Spitzbogentür eingebrochen worden sein.

Zur Angleichung an den neuen gotischen Chor wurde das Dach über dem Langhaus einfach angehoben, was mit dem zusätzlich erneuerten und aufgesetzten  Ziegelwerk nachgewiesen ist. Die frei tragende Dachstuhlkonstruktion gleicht dem Kehlbalkendachstuhl des Meisterhauses, das Mitte des 17. Jahrhunderts neu erbaut wurde.

Die künstlerische Leitung der umfangreichen Arbeiten soll in den Händen Meisters Erhart gelegen haben, der durch sein Wirken an den Münstern in Freiburg und Straßburg über die nötige Erfahrung verfügte. Die Chronik führt aber auch Hausacher Steinmetz Wilhelm Neff und zwei weitere Gesellen aus Straßburg für die kunstvolle Bearbeitung der Steine an.  Fortan zierte ein gotischer Flügelaltar den stimmungsvollen Chorraum."

Während im ursprünglichen Hausacher Gotteshaus (Ersterwähnung 1148) noch die romanische "Gottesburg" (kleine Fenster unter dem Giebel und kleine Eingangstür mit Tympanon im Norden), den Schutz der Menschen  vor den teuflischen Mächten  ( Fresken an der Westseite) betont, wollen die neuen vertikalen gotischen Elemente die Verbindung zwischen Himmel und Erde abbilden. - Den barocken Glanz erhielt die Dorfkirche mit den heutigen Seitenaltären erstmalig im Jahre 1738.

Die einzigen Außenfresken an einer spätgotischen Kirche zeigen heute den Hl. Christopherus, den die Bergleute als einen wichtigen Schutzpatron anerkannten. Ursprünglich könnte es sich bei dem zerstörten Außenbild aber auch um einen dargestellten Riesen gehandelt haben, der einen Erzkübel auf der Schulter trug.

Dieses neue religiöse Lebensgefühl der Gotik muss zur damaligen Zeit vor allem die in der völligen Finsternis des Bergstollens arbeitenden Menschen,  wie auch die karg lebende Landbevölkerung getroffen haben.

Wie gerne mögen sie, wenigstens im sonntäglichen Gottesdienst, die Aufforderung "sursum corda" (Erhebet die Herzen) gehört haben. Um wieviel mehr bereicherte dieser einfache Gedanke ihr Leben im Vergleich zu dem romanischen Lebensgefühl, das die himmlischen Freuden erst  im Jenseits versprach.

Die Zeichen des Reformationszeitalters, eingeleitet durch den Augustinermönch Martin Luther (1512), sollten bald auch in der Hausacher Dorfkirche sichtbar, die religöse Umorientierung auch dem Kirchenvolk "verordnet" werden.

Text/ Bild:  Bernd Schmid