Das romanische Tympanon und das Fresco als Lesebild

 

Historisch lässt sich die genaue Entstehungsgeschichte der Dorfkirche wohl nicht mehr rekonstruieren. Es ist anzunehmen, dass am Talausgang des Hauserbaches in geschützter und zentraler Lage bezüglich der Seitentäler früh eine Kirche als Versammlungsstätte errichtet wurde. Üblicherweise war das auch der Ort für christliche Bestattungen. - Ob die ursprüngliche Kirche zunächst als Holzkirche oder gleich als steinernes Gotteshaus, als Wehr/Schutzkirche, erstellt wurde, ist bisher nicht belegt. Die Spuren, die  gesichert zu erkennen sind, stammen aus der Blütezeit der Romanik.

Beispielsweise  von der  wunderschönen  Portalplastik,  das romanische Tympanon, das dem Kirchenbesucher über der relativ kleinen nördlichen Eingangstür zum Kirchenraum eine große Botschaft übermittelt:   Der Gekreuzigte,  flankiert von Maria und  dem Lieblingsjünger Johannes, ist Zentrum des Glaubens  an den dreieinigen Gott. Die Figurengruppe fügt sich als Beleg dieser Aussage fast symmetrisch in die  große geometrische Grundform des Dreiecks  und des  zentral eingearbeiteten flächigen Kreuzes, das von den Zwillingsbögen des Kirchenraumes umgeben ist.

Das wieder entdeckte  und freigelegte Fresco an der Westseite des Langhauses trägt mit den festen Umriss- linien und der fehlenden Raumtiefe ebenso die Spuren der Malerei in der Romanik. Es hat die Funktion eines Lesebildes, das den leseunkundigen  Gläubigen die biblische Botschaft vom  "Jüngsten Gericht" (letzter Tag Joh. 5,28 f.. "die Auferweckung trifft alle")  erzählen will.

Ursprünglich war die Dorfkirche eine romanische Chorturmkirche. Die heutige Form mit dem südlich stehenden Turm ist Ergebnis des Umbaus um 1515. Für die Vermutung, dass es sich ursprünglich um eine Wehrkirche, eher Kirche für Schutzsuchende,  handelte, sprechen die frei gelegten hohen Lichteinfallschächte in Verbindung mit dem sehr schmalen Nordeingang.

 

Text/Bild: Bernd Schmid