Die Kranken- und Altenpflege in der Entwicklung

von der Caritas zur Kostendeckung

In Hausach nahm man sich zunächst auf sehr einfache Art der Kranken- und Altenpflege an, so wie sich das vielleicht mancher gar nicht  vorstellen mag. Barbiere, Bader, Weise jeglicher Art, ja selbst der "Meister" wurden bei Krankheit und Not konsultiert, wenn man Abhilfe für Leiden und Schmerzen suchte.

Über 500 Jahre entwickelte sich dann aber für die Hausacher Bevölkerung  eine beispielgebende medizinische Versorgung, wenn auch deren human - caritative Verwurzelung immer weniger  sichtbar wurde.  Um so wichtiger ist der klärende und objektive Blick zurück:

Eine alte Hausacher Planskizze zeigt den Standort Zollhauses, westlich des unteren Stadttores, das Siechenhaus östlich der Einmündung des Dietersbachweges und des "Meisters" (Scharfrichters) Wohnhaus weit außerhalb der Stadt.

Am 14. Januar 1522 baten Gräfin Elisabeth, der Hausacher Pfarrer Sebastian Gebhart und andere Geistliche des Mittleren Kinzigtales sowie der Hausacher Maler Nikolaus Rapp den Konstanzer Bischof Hugo um Genehmigung zur Gründung der "Bruderschaft  zu Ehren des Hl. Sebastian und Mauritius", die die Pflege von Seuchenkranken übernehmen sollte. Außerhalb der städtischen Mauern entstand, östlich des heutigen Fahrradgeschäftes Stehle, ein Siechenhaus mit einer kleinen Kapelle.  

Anlässlich des Wechsels des Hausacher Ortsgeistlichen Georg Schnäblin zu Johann Jakob Pfaff  wird in der Bischoff`schen Chronik  mit dem Jahr 1678 von einem Spital berichtet, das hinter dem alten Rathaus gestanden haben soll.

1736  baten Bürger um Unterstützung in Leid und Not, die der Stadtbrand über sie gebracht hatte.  Aus einem  (Sozial) Fond, eingerichtet  von wohlhabenderen Bürgern  im "Gutleutehaus", der reichlich Erträge abwarf, konnte geholfen werden.

1839 schlägt ein Bürger Hils dem Rat einen Tausch vor, der ihm erlaubte, ein Gasthaus "Schwert" neben dem Rat- und Schulhaus zu eröffnen.   Im Gegenzug würde er das  Armen- und Gutleuthaus hinter dem Spritzenhaus am Graben modernisieren und mit mehr Wohnraum ausstatten.


Links, das alte Krankenhaus, rechts das Siechenhaus kurz vor seinem Abriss.

1878, nach Fertigstellung der Bahnstrecke Hausach Wolfach, erhielt unsere Nachbargemeinde den nun zu kleinen  Hausacher Bahnhof und Güterschuppen. Die Hausacher erhielten im Gegenzug das Baumaterial des Wolfacher Spitals und Gutleutehauses, das dem Bahnbau nach Freudenstadt im Wege stand.

Sehr schnell erstellten die Verantwortlichen das neue  städtische Spital außerhalb der Stadt, auf dem Weg zur Kirche und zum Friedhof. Aufgenommen wurden Kranke, Behinderte und alleinstehende alte Menschen.  

Im 18. Jh. wirkten als "Physicus" auch für die innere Medizin ausgebildete Ärzte. Sie hatten von Wolfach aus das Gesundheitswesen des Mittleren Kinzigtals zu überwachen. 1744 war dies Leonhard Edel, 1780 der fürstliche Rat Dr. Wegbacher, 1890 folgte der fürstliche Rat Dr. med. Johann Jakob Duttlinger. 

Unter ihrer Aufsicht standen die "Bader, Chirurgen, Wundarzneidiener, Hebammen und Apotheker". Von 1711 -1736 war dies Peter Mehlem, der gleichzeitig als Ratschreiber eingesetzt war. Ihm folgte Johann Michael Kohler, der seine Badestube am Mühlbach betrieb. Die Unfälle in den Gruben versorgte ab 1750 Josef Anton Pappenheim, ab 1800 Wilhelm Dimmler, der zusätzlich noch einen "Wundarzneidiener" angestellt hatte.   1716 diente die Hebamme Magdalena Wölfle, ab 1723 Katharina Gießler. 

Erst ab 1922 gab es in Hausach einen Zahnarzt namens Stier, ihm folgte 1922 mit der Berufsbezeichnung "Dentist" Walter Rohr, der bis 1976 in Hausach eine große und angesehene Praxis führte.   

Die erste Hausacher Apotheke wurde erst nach Kriegsende 1948 durch Erika Iff, geb. Römer gegründet. Eine erste Stadtapotheke wurde 1736 in Wolfach gegeründet. Haslach verfügt seit 1810 über eine Apotheke.       

1881 übernahmen die Kreuzschwestern von Hegne den selbstlosen caritativen Dienst für notleidende Kranke und alte Menschen. Ab 1895 war mit Doktor August Vieser und ab 1928  mit Dr. Friedrich Katz die fachgerechte medizinische Versorgung gewährleistet. Unvergessen bleiben auch die Ordensschwester Lätissima und Hilde Neumaier, die über viele Jahre Seele des Krankenhauses waren.

1959 wurde ein großzügiger Neubau für ein "Belegkrankenhaus" mit immerhin 2 Operationssälen dem alten Spital angebaut. Natürlich erinnert die Namensgebung an die Hl. Elisabeth, vielleicht aber auch an die Ursprünge der Krankenpflege durch die Initiative der frommen Gräfin Elisabeth.

Am  4. Juni 1974 verließen die Ordensschwestern aus Gründen des  zunehmend fehlenden Nachwuchses in allen Ordensgemeinschaften sehr ungern ihr liebgewonnenes Krankenhaus in Hausach.

Die Neustrukturierung des Gesundheitswesens zentralisierte die Krankenversorgung und organisierte Pflege und medizinische Dienstleistung in der Obhut des Ortenaukreises nach betriebswirtschaftlichen oder kostendeckenden Bedingungen.

Ein Verlust wohl für die Kranken und die neue Krankenhausträgerschaft, auch wenn sich in Hausach seit 1983 an Stelle des alten Spitals ein anerkannt sehr gutes  "Seniorenzentrum am Schlossberg" entwickelte.

Bei sehr guter ärztlicher Versorgung erfolgt die häusliche  Pflege durch die Caritas Sozialstation Kinzig-Gutachtal, die Sozialstation der Diakonie; Beratung und Notfalldienst durch den DRK -Kreisverband.

Text: Bernd Schmid, Quelle: Wilhelm Heim, Gesundheitswesen