Hausach ist Eisenbahnerstadt

 

Die Landschaft um Kinzig und Gutach entwickelte sich zwangsläufig zu einem Verkehrsknotenpunkt.  Bei enger werdenden Tälern und  stark ansteigenden Wegen wurde Hausach auf Grund  seiner geographischen Lage als Einstieg in die schwierigere verkehrstechnische Erschließung gesehen. Das galt von der alten Römerstraße bis hin zur straßenbautechnischen Erschließung per Tunnelbau, der talaufwärts in Hausach beginnt.

Ganz besonders galt das  für den Bau der Eisenbahnlinien. Die eigentliche "Schwarzwaldbahn" beginnt für Touristen eben erst in Hausach und endet in  Villingen. Als nun im Juli des Jahres 1866 erstmals ein Schienenstrang die Stadt erreichte, begann in vielerlei Hinsicht eine neue Zeit. Das erkannten  Gastronomen sowie die Fuhr- und Transportunternehmen am schnellsten, gaben erstaunlich flexibel bisherige Schwerpunkte auf und entdeckten einträglichere Geschäftsfelder. Mit der Eröffnung der eigentlichen Schwarzwaldbahn Offenburg-Konstanz am 10. November 1873 erhielt die älteste Hausacher Industrieanlage einen eigenen Gleisanschluss.

Schon 1886 war  die Teilstrecke Hausach-Schiltach-Freudenstadt fertig gebaut. Der Eisenbahnknotenpunkt Hausach war damit geschaffen: In Hausach wurde umgestiegen, gewartet, übernachtet und natürlich auch gegessen und getrunken. Manch einer nahm sich Zeit, um sich den schönen Ort näher zu betrachten.

Der Eisenbahnknotenpunkt erforderte technische Wartung der Gleisanlagen, der Technik der eingesetzten Züge, das Rangieren auf dem Bahnhof, die neue Versorgung  mit Kohle und Wasser war schon wegen des  Aufstiegs nach Triberg erforderlich. Bahnbedienstete zogen mit ihren Familien nach Hausach (Eichenstraße) und stärkten das wirtschaftliche und kulturelle Aufkommen des Ortes. Vor der Fertigstellung der Bahn- und Gleisanlage zählte Hausach etwas über 1100, mit Fertigstellung 1866 waren es 1737 Enwohner.

Es gab plötzlich eine Menge neuer  Berufsbilder: Lokomotivführer, Heizer, Zugführer, Schaffner, Bremser, Rangierer, Wagenmeister, aber auch allerlei Handwerksberufe für die Werkstätten. Später wurde in Hausach die "Eisenbahner-Schule" betrieben. -  Diese gesamte Entwicklung verlieh der Stadt Hausach das Prädikat "Eisenbahnerstadt"

Erfreulich ist unter touristischem Aspekt auch die weit bekannte Schwarzwald Modellbahn Hausach gegenüber dem Bahnhofsgebäude. Sie gilt als die größte Modellbahn Europas nach realem Vorbild.

Viele Hausacher fanden Anstellung bei der Bahn. Die Laufbahn vom Heizer zum Lokführer war begehrt. Lokführer Belli und Heizer Streit mit ihrer Lok auf dem heimischen Bahngelände.

Lokomotivführer sein war immer schon ein Kindertraum. Großvater Karl Krug nahm daher wohl auch hin und wieder gerne seinen Enkel Karl mit auf die Lok. Da Hausach Eisenbahnknotenpunkt war, lag es sowohl für die Bahnarbeiter als auch die besser gestellten  "Bahn"- Beamten nahe, in Hausach zu wohnen. Als der Schienenstrang 1866 Hausach erreichte, stieg die Einwohnerzahl gegenüber 1825 von 1075 auf 1737.

Ein Großteil der "Isebohner" wohnte nahe am Bahnhof in der Eichenstraße. Die meisten Lokomotivführer waren finanziell so gut gestellt, dass sie sich ein eigenes hübsches Haus im Stadtgebiet leisten konnten. - Viele Eisenbähnler belebten das aufkommende Vereinsleben, indem sie  auch bereitwillig Vorstandsämter im Kriegerverein, im DRK, im Gesangverein, im Kirchenchor oder in den Sportvereinen übernahmen.

 

Text: Bernd Schmid /  Bilder: Städt.Archiv